Auszeichnung für Altenpflegeheim – Dreieich Zeitung

NEU-ISENBURG (air) – Eine Patientenverfügung ist ein anspruchsvolles und komplexes Thema. Nicht alle haben ein solches Papier, das für den Fall der Fälle wichtige Fragen zur medizinischen Behandlung regelt, wenn man selbst nichts mehr entscheiden kann, in der Schublade.

Das Altenpflegeheim „An den Platanen“ in der Lessingstraße 4 hat sich nach Darstellung seines Leiters, Günther Schlott, in einem Modellprojekt als eine der ersten stationären Einrichtungen in Deutschland und als einzige im Kreis Offenbach mit dem Thema Patientenverfügung beschäftigt. Das Haus bietet eine Gesprächsbegleitung zur Erstellung von Patientenverfügungen an. Für dieses vorbildliche Engagement und die Vorreiterrolle erhält die Senioreneinrichtung jetzt den Zukunftspreis.

Diese Auszeichnung wird von der Redaktion der Zeitschrift Altenheim, Vincentz Network, in Hannover einmal im Jahr für besondere Projekte und Initiativen in der Altenhilfe vergeben. Auf die Frage, warum das Haus An den Platanen in Neu-Isenburg den Zukunftspreis erhält, sagt Einrichtungsleiter Günther Schlott, „wir sind die Ersten, die die neuen Vorschriften für die Patientenverfügung umsetzen“. Damit meint er die seit Januar des Jahres geltenden Neuerungen des Hospiz- und Palliativgesetzes (HPG). Demnach sind die Einrichtungen der stationären Altenpflege verpflichtet, Gesprächsbegleitungen zur Erstellung von Patientenverfügungen anzubieten. „Trotz noch immer fehlender Ausführungsbestimmungen und Refinanzierunszusagen haben wir uns dieses wichtigen Themas angenommen“, sagt Günther Schlott.

Im Haus „An den Platanen“ wurde nach Darstellung von Einrichtungsleiter Günther Schlott eine abteilungsübergreifende, acht Mitglieder umfassende Arbeitsgruppe gegründet, die die professionelle Ausbildung der Teilnehmer sicherstellt.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben einen mehrtägigen Workshop zur „Zertifizierten Gesprächsbegleitung“ besucht, an den eine Fachpraxis und ein Coaching anschlossen. Das Altenpflegeheim hat dabei mit dem Würde-Zentrum Frankfurt zusammengearbeitet. Dieses Projekt mit dem Namen „beizeiten begleiten“ beinhaltet eine regelmäßige Unterstützung bei der Erstellung von Vorausberfügungen durch eigens dafür geschulte Ansprechpartner.

Nach Auskunft des Pflegeheims kann sich das Personal von Rettungsdienst und Krankenhaus somit darauf verlassen, dass mit der Patientenverfügung ein sorgfältig erstelltes, mit allen Betroffenen abgestimmtes und im Krisenfall aussagekräftiges und rechtssicheres Papier vorliegt. Das Haus „An den Platanen“ hat nach Darstellung von Günther Schlott das Ziel, dass die Bewohner im Krankheitsfall so behandelt werden, wie sie es sich wünschen – „auch dann, wenn sie sich selbst einmal nicht mehr dazu äußern können“.


Dieser Artikel erschien zuerst in der Dreieich Zeitung vom 08.11.2017.

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